Interpretation schadet

Behalten Sie Ihren Hammer!

 

 
Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich.

 

Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer". (aus P. Watzlawick: Anleitung zum unglücklich sein.)

 

Das kennen wir alle, gell? Wir hören, sehen oder vernehmen etwas und interpretieren unsere eigenen Kopfgeschichten hinzu. Meist mischen wir es noch mit etwas Drama, Unsicherheit und Angst. Je unsicherer und Nicht-Selbst-bewusst wir sind, desto mehr interpretieren wir in eine Sache hinein. Es ist wie stille Post, wo nur einer mitspielt – ich selbst. Darum heißt es in der Bibel schon: „Du sollst dir kein Bildnis machen.“ Es braucht zwar ein bisschen Übung, die Interpretation wegzulassen, aber es geht und macht nebenbei ungeheuer frei. Wünsch dir gutes Gelingen.

 

 

Nie mehr enttäuscht werden

 

 
Habe Hoffnungen, aber niemals Erwartungen, denn so erlebst du keine Enttäuschungen, aber so manche Überraschungen. Bleib dankbar und schau, was und wie viel uns das Leben schenkt. Ein einziges Geschenk – unser Leben, mit allem, was darin enthalten ist.